Was tun, wenn Ihr Chef gehen muss?

Liegt eine Veränderung in der Luft? Ihre Vorgesetzte wirkt in letzter Zeit total gestresst und mittlerweile geht das Gerücht um, dass ihr gekündigt wird? Sicherlich fragen Sie sich jetzt, ob ihr überstürzter Abgang sich gut oder schlecht auf Ihre eigene Karriere auswirkt.

Vorweg: Es gibt keinen Grund zur Panik. Aber Sie sollten etwas unternehmen, um Ihren Job und Ihren guten Ruf zu behalten. Schließlich wollen Sie ja nicht, dass Ihre Erfolgsbilanz, Ihr Einsatz und Ihre Vertrauensposition in Vergessenheit geraten, nur weil Ihre Chefin geht. Schneidet sie beim oberen Management schlecht ab, könnte das womöglich auf Sie abfärben.

Es macht einen großen Unterschied, wie Sie in unsicheren und aufwühlenden Zeiten Ihre Trümpfe ausspielen. Aber lesen Sie selbst, was Sie in einer solchen Situation am besten tun sollten. 

Meiden Sie die Gerüchteküche.

Halten Sie sich von dem ganzen Gerede fern, so gut es geht, empfiehlt Brian de Haaff, Mitgründer und CEO des Software-Start-up-Unternehmens Aha! „Das einzige, was jetzt zählt, ist Ihr Job!“

Kollegen, die sich vom Chaos ablenken lassen (oder Gerüchte verbreiten) drohen ernste Konsequenzen bis hin zur Entlassung, oder sie werden für schwierige Projekte eingeteilt, bis ein Nachfolger feststeht. Bedenken Sie: Was immer Sie in dieser Zeit von sich geben, kann und wird gegen Sie verwendet werden!

„Führungskräfte wissen, wie der Hase läuft“, warnt Josh Mangum, Director of Strategy von der Search Solution Group. „Sie beurteilen Sie anhand Ihrer Fähigkeit, gelassen zu bleiben und sich auf Ihre Arbeit zu konzentrieren, während sie im Hintergrund die Fäden ziehen. Sammeln Sie Pluspunkte, in dem Sie sich auch in turbulenten Zeiten nicht ablenken lassen und Ihre Produktivität sogar noch erhöhen.“

Halten Sie Ihre Gefühle unter Kontrolle.

Reagieren Sie in bestimmten Situationen zu emotional, zum Beispiel, wenn einem Ihrer Vorgesetzten gekündigt wird, wird dies gegen Sie verwendet. Eine panische Reaktion aus dem Kampf- oder Fluchtinstinkt heraus kann übereilte und unvernünftige Entscheidungen zur Folge haben, äußert sich Marcel Schwantes, Couch für Führungskräfte und Gründer von Leadership from the Core.

Wenn Sie nichts überstürzen und in Ruhe über die Dinge nachdenken, führt dies hingegen zu wohlüberlegten Entscheidungen. Planen Sie Ihre Schritte genau und bedenken Sie dabei die Konsequenzen. (Google CEO Sundar Pichai stimmt diesem Tipp zu. Ach ja, da fällt uns ein: Es gibt eine tolle Story über ihn wie man am besten mit Stress umgeht.)

Was Sie tun können, um mehr beachtet und wertgeschätzt zu werden.

Niemand möchte als Opportunist dastehen, der die Gunst der Stunde für sich zu nutzen weiß, wenn sein größter Fürsprecher (z. B. der Vorgesetzte) entlassen wird, aber es kann nicht schaden, wenn Sie dafür sorgen, dass man Ihnen und Ihren Leistungen in einer solchen Situation mehr Aufmerksamkeit schenkt. Dies gilt vor allem für ITler, die zwar stets ihren Beitrag geleistet haben, aber das eher unbemerkt von allen anderen in ihrem stillen Kämmerlein erfolgt ist.

Schwantes rät, jede Gelegenheit zu nutzen, um zu zeigen, was in Ihnen steckt. Bieten Sie zum Beispiel an, Ihrer Vorgesetzten ein paar Aufgaben abzunehmen, stehen Sie gut da. Daran wird man sich noch erinnern, auch wenn sie schon längst nicht mehr da ist. Und wer weiß? Vielleicht brauchen Sie ja noch ein gutes Arbeitszeugnis von ihr.

Alternativ sollten Sie überlegen, was Sie tun können, damit der Wechsel zum neuen Vorgesetzten reibungslos verläuft. Bedenken Sie, dass ein Unglück meist auch Chancen mit sich bringt. Tun Sie sich als Führungskraft hervor und verkaufen Sie sich und Ihre Ideen der Geschäftsleitung.

Dokumentieren Sie Ihre Leistungen.

Bevor Ihre Vorgesetzte geht, lassen Sie sich alle Zusagen von ihr schriftlich geben, dokumentieren Sie Ihre Arbeitsleistungen, indem Sie sich Ihre Selbsteinschätzung und Leistungskennzahlen von ihr abzeichnen lassen. Auch wenn Ihr neuer Vorgesetzter sich nicht an Zusagen seiner Vorgängerin gebunden fühlt, ist eine angekündigte Beförderung oder Gehaltserhöhung eine gute Gelegenheit, Ihr Potenzial unter Beweis zu stellen und in Sie gesetzte Erwartungen sogar noch zu übertreffen.

Sobald Sie Ihrem neuen Chef erklärt haben, über welche Kompetenzen Sie verfügen, stellen Sie klar, dass Sie offen sind, was neue Ziele und Prioritäten anbelangt oder auch gerne neue Methoden für Ihre Projekte ausprobieren.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass frischgebackene Manager Mitarbeitern kündigen, die den Eindruck erwecken, dass sie defensiv oder nicht loyal sind oder sich Änderungen der strategischen Ausrichtung oder Führung widersetzen. Passen Sie auf, dass „der Neue“ nicht ausgerechnet an Ihnen ein Exempel statuiert. „Im Endeffekt sollten Sie sich auf ein Vorstellungsgespräch vorbereiten“, äußert sich Mangum. „Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Ihren derzeitigen Job und Ihren neuen Vorgesetzten geht oder um einen Job in einem anderen Unternehmen.“

Strecken Sie Ihre Fühler aus.

Muss Ihre Chefin das Unternehmen verlassen, könnte es passieren, dass auch Ihnen gekündigt wird. Und als ob diese Aussicht nicht schon schlimm genug wäre, gibt es da ja noch die Möglichkeit, dass Sie mit Ihrem neuen Vorgesetzten nicht zurechtkommen. Mag sein, dass das nicht der optimale Zeitpunkt für eine heimliche Jobsuche ist oder um sich für ein Vorstellungsgespräch ein paar Stunden freizunehmen, aber Sie sollten auf jeden Fall die Kontakte Ihres beruflichen Netzwerkes auffrischen. Erkundigen Sie sich nach Möglichkeiten, in ein anderes Team versetzt zu werden und setzen Sie sich mit Personalvermittlern in Verbindung.

Proaktiv zu werden, wenn Ihre Vorgesetzte in einer misslichen Lage steckt, könnte das Zünglein an der Waage zwischen weiterhin regelmäßigen Gehaltszahlungen und einem Besuch bei der Arbeitsagentur (möglicherweise früher als gedacht) ausmachen.

 

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About Leslie Stevens-Huffman

Leslie Stevens-Huffman ist Autorin mit Schwerpunkt Business & Karriere und lebt in Südkalifornien. Sie hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Personalvermittlungsbranche und schreibt Blog-Posts und Vorlagen für Lebensläufe. Zudem gibt sie den IT-Experten in der englischen Dice-Community seit 2006 praktische Karrieretipps. Ihren Bachelor-Abschluss in Englisch und Journalismus machte sie an der University of Southern California.
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