Beruf & Familie: Das müssen Väter bei der Elternzeit beachten

Vater in Elternzeit - wie hat er die Vätermonate beantragt?

Der Schwangerschaftstest zeigt zwei Streifen – hoffentlich eine freudige Nachricht! Aber mit der privaten Freude kommen oft die beruflichen Sorgen – wann sollte ich es auf der Arbeit erzählen? Wie viel Elternzeit steht mir eigentlich zu und wie viel davon sollte ich auch beantragen? Stimmt dann auch noch das Gehalt und wie klappt das hinterher mit dem Wiedereinstieg? Während eine längere Elternzeit von Müttern fast schon erwartet wird, ist die Akzeptanz gegenüber Vätern, die in Elternzeit gehen, in der Praxis deutlich geringer. Wir geben Hilfestellung und wertvolle Tipps zur Elternzeit für werdende Väter.

 

Grundsätzliches: Elternzeitregelungen in Deutschland

Schon seit 2001 gibt es in Deutschland die Elternzeit, während der Sie ganz für Ihr Kind da sein können, ohne sich Sorgen um Ihren Job machen zu müssen. Die Elternzeit können beide Elternteile gleichzeitig oder unabhängig voneinander nehmen. Ihr Arbeitgeber stellt Sie während dieser Zeit unbezahlt frei und gewährleistet Ihnen, dass Ihr Job noch da ist, wenn Sie zurückkommen. Ihren Lebensunterhalt übernimmt währenddessen der Staat mit dem Elterngeld, seit 2015 auch mit dem ElterngeldPlus. Die Elternzeit beträgt grundsätzlich bis zu 3 Jahre, es werden jedoch maximal 14 Monate Elterngeld bezahlt, die beide Elternteile frei unter sich aufteilen können. Mit ElterngeldPlus kann der Bezugszeitraum auf die doppelte Länge ausgedehnt werden. Wann, wie und wie lange Sie Elternzeit und Elterngeld beantragen, bleibt dabei ganz Ihnen und Ihrer persönlichen Lebenssituation überlassen. Sie können beispielsweise 12 Monate am Stück nehmen oder die Auszeit in zwei Abschnitte aufteilen. In Rücksprache mit Ihrem Chef sind auch mehr als zwei Auszeiten oder eine Kombination mit Teilzeit-Arbeit möglich.

 

Elterngeld und ElterngeldPlus: So wird das Elterngeld berechnet

Beiden Eltern gemeinsam stehen ab der Geburt des Kindes bis zu 14 Monate lang volles Elterngeld zu. Ein Elternteil kann dabei maximal 12 Monate Elterngeld beziehen – 14 Monate gibt es also nur, wenn beide Elternteile in Elternzeit gehen. Wenn Sie länger bezahlt zuhause bleiben wollen, können Sie stattdessen bis zu 28 Monate ElterngeldPlus in Anspruch nehmen – das ist dann allerdings nur noch halb so hoch wie das „normale“ Elterngeld. Die Höhe des Elterngeldes wird bei Angestellten anhand des durchschnittlichen Netto-Einkommens der letzten 12 Monate berechnet – bei Freelancern gilt das letzte Wirtschaftsjahr als Bemessungszeitraum. Ihnen stehen 67 % Ihres bisherigen Durchschnittseinkommens zu, mindestens aber 300 und höchstens 1.800 € im Monat. Sollten Sie vorher mehr verdient haben, müssen Sie also während der Elternzeit finanziell zurückstecken. Das ist der Grund, aus dem der schlechter verdienende Elternteil in der Regel beruflich länger aussetzt, während der andere nur kurz auf sein volles Gehalt verzichtet. Das führt im Ergebnis häufig dazu, dass Mütter 12 Monate Elternzeit nehmen und Väter nur die zwei extra-„Vätermonate“ zuhause bleiben.

 

Elternzeit für Väter: Wann sag‘ ich‘s dem Chef?

Als Vater haben Sie ab dem Tag der Geburt Anspruch auf Elternzeit. Sie müssen die Elternzeit jedoch spätestens sieben Wochen vor dem geplanten Antritt der Elternzeit beantragen. Aus Angst vor negativen Konsequenzen im Beruf warten werdende Väter damit tatsächlich bis zum letzten Moment. Ist das berechtigt? Leider lautet die Antwort häufig ja – denn der Sonderkündigungsschutz für werdende Väter beginnt erst acht Wochen vor dem Beginn der Elternzeit. Wenn Ihr Arbeitgeber vorher Wind davon bekommt, dass Sie demnächst vielleicht für ein paar Monate fehlen werden, kann er Sie theoretisch unter einem anderen Vorwand feuern. Daher sollten Sie sich nur bei wirklich sehr gutem Betriebsklima überlegen, die freudige Nachricht vor Beginn des Kündigungsschutzes zu erzählen. Das lässt Ihnen ein Zeitfenster von genau einer Woche, während der Sie Ihre Elternzeit fristgerecht beantragen können, ohne Angst vor beruflichen Konsequenzen zu haben. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt – denn natürlich bringt so eine Info auf den letzten Drücker auch Ihren Arbeitgeber in die Bredouille, der sich nun kurzfristig nach einer Vertretung für Sie umsehen oder Ihre Aufgaben umverteilen muss. Falls Sie noch Zweifel über den richtigen Zeitpunkt haben, hören Sie sich bei anderen Vätern im Betrieb um und richten Sie sich danach, was sich in Ihrer Firma eingebürgert hat.

 

Wie überzeuge ich meinen Chef von einer längeren Elternzeit?

Keine Sorge: Die minimal möglichen zwei Monate Elternzeit, die im Volksmund schon als „Vätermonate“ bekannt sind, nehmen mittlerweile die meisten Väter. Das hat sich gesellschaftlich durchgesetzt und wird auch von den allermeisten Arbeitgebern problemlos als Standard akzeptiert. Zwei Monate lassen sich im laufenden Betrieb auch eher mal überbrücken. Immer mehr Väter möchten jedoch mehr Zeit mit dem Kind verbringen und immer mehr Mütter wollen nicht erst nach 12 Monaten in den Beruf zurückkehren. Zwar darf Ihr Chef Ihnen auch eine 6- oder 12-monatige Elternzeit nicht verweigern, dennoch ist es mit der Akzeptanz bei konservativen Firmenchefs meist nicht weit her. Es ist daher besser für das Betriebsklima, wenn Sie hier als werdender Vater etwas Entgegenkommen zeigen. Helfen Sie aktiv bei der Suche nach einer Elternzeitvertretung mit und übernehmen Sie die Einarbeitung Ihres Ersatzes. Sie können natürlich außerdem anbieten, während der Auszeit ansprechbar zu bleiben.

 

Kompromiss: Teilzeit arbeiten in der Elternzeit

Falls Sie das Gefühl haben, dass längeres Wegbleiben zu einem nicht hinnehmbaren Karriereknick führen würde, ist die Teilzeitregelung ein möglicher Kompromiss. Sie können während der Elternzeit in Absprache mit Ihrem Arbeitgeber maximal 30 Stunden pro Woche, also ca. 75 % weiterarbeiten. Das gilt übrigens auch für Freelancer, die sonst Gefahr laufen könnten, wichtige Kunden zu verlieren. Der Staat legt dann mit Elterngeld 65 % der Differenz zu Ihrem 100 %-Gehalt obendrauf. Nach Ende der Eltern-Teilzeit kehren Sie wieder zu Ihrem ursprünglichen Arbeitspensum zurück. Dieses Verfahren kann sich besonders während der Elternzeit Plus-Monate lohnen, die bei Teilzeit auf 24 Monate ausgedehnt werden. Hier gibt es sogar einen Partnerschaftsbonus, wenn beide Eltern gleichzeitig vier Monate lang in Teilzeit arbeiten. Wenn Sie in einem Unternehmen mit mindestens 15 Mitarbeitern arbeiten, ist die sogenannte Elternteilzeit problemlos möglich. Kleinere Unternehmen dürfen dieses Ansinnen jedoch ablehnen. Das gilt auch, wenn Ihr derzeitiger Arbeitsvertrag jünger ist als 6 Monate.

 

Elternzeit beantragen: Das müssen Sie beachten

Sie können die Elternzeit formlos, aber schriftlich bei Ihrem Arbeitgeber beantragen. Das müssen Sie spätestens sieben Wochen vor dem Beginn der Elternzeit erledigen. Nennen Sie darin die genauen Zeiträume, während derer Sie in Elternzeit gehen und lassen Sie sich den Antrag schriftlich bestätigen. Wenn Sie ab der Geburt in Elternzeit gehen wollen, nennen Sie den errechneten Geburtstermin. Für Elternteilzeit gilt dasselbe. Natürlich können Sie auch Elternzeit und Elternteilzeit kombinieren. Um den Rest kümmert sich dann Ihr Arbeitgeber. Übrigens: Ihr Chef darf Ihnen die Elternzeit nicht verweigern! Selbständige richten ihren Antrag direkt an die zuständige Elterngeldstelle für ihren Wohnort.

Im Elternzeit-Antrag müssen Sie für die nächsten zwei Jahre festlegen, wann und wie lange Sie zur Arbeit gehen werden und wer sich in der Zeit um das Kind kümmert. Eine nachträgliche Verlängerung der Elternzeit ist ohne Zustimmung des Arbeitgebers nicht ohne weiteres möglich. Setzen Sie sich also vor dem Antrag gemeinsam hin und planen Sie Ihre Elternzeit sorgfältig terminlich und finanziell durch! Beim Planen hilft Ihnen der Elterngeldrechner des Bundesministeriums.

Übrigens: Falls Sie sich nach der Babypause beruflich umorientieren möchten, können Sie am Ende der Elternzeit bei Ihrem Arbeitgeber kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt dann regulär drei Monate.

 

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Foto: pexels

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