Kanban – extrem lean und hoch effektiv!

Kanban-Projektmanagement im Rahmen der Softwareentwicklung ist eine perfekte Methode, Produktions- und Entwicklungsprozesse zu optimieren. Kanban ersetzt dabei nicht nur ein laufendes Entwicklungssystem, sondern kann andere agile Softwareentwicklungen (Scrum, XP, usw.) ergänzen. Das Kanban-Board bildet die Grundlage bei dieser Art des Projektmanagements.

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by geek-and-poke.com

Kanban: Ursprung, Definition und Prinzipien

Toyota entwickelte 1947 das JiT-Prinzip (Just-in-Time-Prinzip), um den werksinternen Produktionsablauf zu optimieren sowie Lagerbestände und die daraus resultierende Kapitalbindung zu reduzieren. Der Begriff „Kanban“ kommt aus dem Japanischen und bedeutet grob übersetzet „Signalkarte“. Beim Kanban-System werden Produktionsmengen nicht von zentraler Stelle im Voraus geplant; ein Mindestbestand am jeweiligen Punkt der Produktionskette diktiert die Neubestellung.

2006 wurde das Kanban-Prinzip von David Anderson für die Softwareentwicklung im Auftrag von „Corbis“ angewandt, einem Anbieter für Stockfotografien. Ein Jahr später stellte er die fünf Hauptmerkmale des Projektmanagements für Softwareentwicklung vor. Seine Definition von Kanban lässt sich so zusammenfassen:

Das Kanban-System macht die verschiedenen Prozesse sichtbar und begrenzt die Menge der angefangenen Arbeiten. Der Durchsatz lässt sich mittels Kanban leicht messen und steuern. Prozessregeln werden verdeutlicht. Durch das Verwenden von Modellen werden Verbesserungen direkt sichtbar.

Die sechs Kernpraktiken von Kanban:

  1. Visualisieren
  2. Limitierung des WIP (Work in Progress)
  3. Den Flow managen
  4. Genaue Ausführung der Regeln
  5. Einrichten von Feedback-Schleifen
  6. Im Team verbessern & durch Experimente weiterentwickeln

 

Die Funktionsweise von Kanban

Das Kanban-System im Bereich des Projektmanagements für Software ist ein Vorgehensmodell, das auf einem Hol-Prinzip aufbaut. Auf einem Kanban-Board wird der Entwicklungsprozess in Spalten (Stationen) unterteilt. Das gesamte Projekt wird in kleine Einheiten heruntergebrochen. Die einzelnen Anforderungen (Tasks) werden auf Karteikarten geschrieben (Tickets), die zur Veranschaulichung des Entwicklungsprozesses durch die einzelnen Stationen geschoben werden. Pro Spalte darf immer nur eine festgelegte Anzahl von Tickets bearbeitet werden. Somit wird das WiP (Work in Progress) erheblich reduziert und schnellere Durchlaufzeiten werden erreicht. Probleme und vor allem Engpässe (sogenannte Flaschenhälse) werden mittels Kanban deutlich sichtbar gemacht. Die Beispiel-Story von Henrik Knibergs Comic “One day in Kanban land” veranschaulicht auf perfekte Art und Weise, wie das Kanban-System funktioniert.

Mittlerweile ist Kanban als Management-Tool aus den Softwareprojekten vieler großer Firmen nicht mehr wegzudenken. BBC, Lonely Planet oder mobile.de sind hier nur drei von vielen prominenten Erfolgsbeispielen.

 

Kanban-Software – Das digitale Kanban-Board für ortsunabhängiges Projektmanagement

Kanban-Software spielt eine immer größere Rolle. Ein Kanban-Board ist natürlich nach wie vor noch ein hervorragendes Mittel, um knappere Projekten innerhalb kleiner Entwicklungsteams zu koordinieren. Doch gerade bei agilen Software-Entwicklungen, bei denen die Teammitglieder auf verschiedene Standorte verteilt sind, ist eine professionelle Kanban-Projektmanagement-Software ein ideales Instrument. Eines der meistgenutzten Tools ist das „Kanban Tool®“ von Shore Labs. Renommierte Weltkonzerne wie Rolls-Royce, Avira oder Siemens zählen zu den Usern dieser ausgefeilten Projektmanagement-Software.

 

Die Vorteile von Kanban-Projektmanagement

Kanban ist für kleinere Softwareprojekte in kleinen Teams wie geschaffen. Die Hauptvorteile des Kanban-Systems lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die direkte Visualisierung des Projektablaufs macht Probleme anhand von Ticket-Häufungen schnell sichtbar.
  • Kanban ist ein übergreifendes System, das prinzipiell auf jeden bestehenden Entwicklungsprozess (z. B. Scrum, extrem programming, etc.) aufgesetzt werden kann.
  • Dank der fest vorgegebenen WIP-Limits wird negatives Multitasking optimal vermieden.
  • Die geringe Größe der einzelnen Tickets hat zur Folge, dass die Beschreibung der verschiedenen Tasks nur das Wesentliche enthält. Eine ungewollte Mutation der jeweiligen Aufgaben zu eigenständigen Projekten ist somit ausgeschlossen.
  • Das Kanban Board ist omnipräsent – es dient als Kommunikationsgrundlage und als Fundament, über das sich das Team synchronisiert.

 

Die Nachteile des Kanban-Systems

Der größte Nachteil von Kanban ist seine relative räumliche Gebundenheit – besonders beim Einsatz eines mechanischen Kanban-Boards. Sitzen die Projektteilnehmer nicht an einem Ort, lässt sich das Kanban-System nur mittels einer Projektmanagement-Software anwenden. Weitere Nachteile sind:

  •  Kanban geht häufig mit langen Durchlaufzeiten einher. Grund hierfür sind die Puffer vor jeder Stufe.
  • Da die Tickets auf dem Kanban-Board von allen Teammitgliedern bewegt werden, kann es passieren, dass ein Ticket im Verlauf des Projekts verloren geht. Dies wiederum kann für reichlich Konfusion, Zeitverlust und Ärger sorgen.
  • Kanban ist nicht beliebig skalierbar.
  • Kanban ist für große Projekte ungeeignet.
  • Je größer das Team, desto unübersichtlicher wird das Kanban-Projektmanagement.

 

Praxistipps für die Anwendung von Kanban

Wie bei jedem agilen Entwicklungssystem steht und fällt der Erfolg mit der Kompatibilität der einzelnen Team-Members. Da das Kanban-System in Grunde keine feste Hierarchie innerhalb des Teams vorsieht und es zudem auf Eigeninitiative aufbaut, kann es leicht zu Unstimmigkeiten kommen. Das Kanban-Board ist der gemeinsame Nenner, denn eine feste Rollenverteilung, wie zum Beispiel die des Scrum-Masters, gibt es bei Kanban eigentlich nicht. Anstelle einer festen Befehlskette ist jedes Teammitglied eigenverantwortlich.

Kaban-Tipp #1:

Trotzdem ist es ratsam, mindestens eine Person im Team zu haben, die sich mit dem Kanban-System auskennt und sich für den Prozess verantwortlich fühlt. Dies kann beispielsweise der Produktmanager, der Projektleiter, ein Scrum-Master oder sogar ein externer Coach sein.

Kaban-Tipp #2:

Zudem ist es beim Kanban-Projektmanagement wichtig, dass ein automatisierter Build-Prozess und ein gut funktionierendes Konfigurationsmanagement existiert. Dies gewährleistet, dass alle erledigten Tasks regelmäßig freigegeben werden.

 

Ein Fazit zu Kanban

Ein absoluter Pluspunkt für Kanban ist seine Kompatibilität mit anderen agilen Softwareentwicklungs-Methoden. Doch das Kanban-System ist auf viele Bereiche übertragbar. Besonders in kleinen Teams und für kleine Projekte ist das Kanban-Projektmanagement optimal. Fast alle großen Unternehmen nutzen Kanban als Teil ihres allgemeinen Projektmanagements.

 

 

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About Verena Budde

Verena Budde arbeitet seit 2012 für Dice. Als Marketing Executive betreut sie nun seit 2014 den deutschen Markt. Sie arbeitet eng mit dem Account-Management-Team zusammen, um die deutsche Tech-Gemeinschaft optimal mit den Kunden zusammenzubringen. Durch diesen Kontakt zu Unternehmen und IT-Profis hat sie die neuen IT-Entwicklungen und Themen immer im Blick. Mit einem sicheren Gespür für Trends pflegt sie die Social-Media-Programme und die Tech News. Außerdem ist sie für das Planen, Erstellen und Analysieren von E-Mail-Kampagnen zuständig und organisiert das Sponsoring sowie verschiedene Events in ganz Deutschland.

One Response to Kanban – extrem lean und hoch effektiv!

  1. Jessi 18. January 2018 at 17:18 #

    Hallo Verena,
    du hast Recht, dass Kanban bei größeren Unternehmen eher schwierig ist. Trotzdem kann ich vielleicht ein paar deiner Nachteile ausmerzen, wenn ich dir Zenkit empfehle. Das ist eine kostenlose SaaS-Lösung von einem deutschen Startup. Seit ich dort arbeite, habe ich das Tool gut kennen gelernt und nutze es auch privat um kleine Projekte oder meine „To-Do-Listen“ abzuarbeiten. Vielleicht bin ich aber auch ein bisschen voreingenommen;). Jetzt zu deinen Nachteilen. Natürlich kann jeder, der für das Board freigeschaltet ist, die Karten bewegen. Du kannst allerdings Benachrichtigungen für das jeweilige Projekt oder für einen bestimmten Filter (vielleicht einen Mitarbeiter) einstellen, so kann der Vorgesetzte immer den Überblick behalten. Außerdem hat jede Aufgabe einen Status und sobald etwas gemacht wird, wird auch dort sichtbar was gemacht wurde. Den Aufgaben kann auch eine oder mehrere Personen zugewiesen werden, damit keine vergessen wird. Durch die Möglichkeit Aufgaben mit anderen Projekten zu verbinden, kann das Board immer übersichtlich gehalten werden, auch bei vielen Aufgaben. So viel erstmal von meiner Seite. Ich würde mich über dein Feedback freuen, ob https://zenkit.com eine Möglichkeit wäre :)

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