Ist ein Job in einem Start-up das Richtige für mich?

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Die Arbeit in einem Start-up ist zweifelsohne aufregend, hat aber ihre Tücken. Schließlich ist kein anderes Unternehmen so anfällig für Disruptionen wie ein Technologie-Start-up. Ob das trotzdem das Richtige für Sie ist, erfahren Sie hier.

Doch was ist ein Start-up denn konkret? Der Duden definiert es als „neu gegründetes Wirtschaftsunternehmen“. In einem Interview mit der Wirtschaftszeitschrift Forbes vor ein paar Jahren sprach Start-up-Gründer Adora Cheung von Homejoy etwas verklärt von einem „Gemütszustand“.

Paul Graham, Mitgründer von Y Combinator, äußerte sich gegenüber Forbes, dass ein Unternehmen, das seit fünf Jahren besteht, ohne Weiteres als Start-up bezeichnet werden kann, während der Begriff Start-up für ein zehn Jahre altes Unternehmen überstrapaziert wäre. Das 2006 gegründete US-amerikanische Unternehmen Lytro, das plenoptische Kameras herstellte, galt vor seiner Schließung/Übernahme vor ein paar Wochen bei vielen als Start-up.

Lytro wurde an Google verkauft, nachdem es jahrelang den Mund (zu) voll genommen hatte, die Fotobranche „aufzumischen“. Doch man kann es drehen und wenden, wie man will, es ist und bleibt ein „Aqui-Hire“, also ein Kauf nach dem Motto: Suche Talent, kaufe Start-up. Google „kauft“ sich damit kluge Köpfe, verfolgt aber keinerlei Pläne, die Produkte oder Dienstleistungen von Lytro weiterhin anzubieten.

Dieses Schicksal teilen viele (mehr oder weniger erfolgreiche) Start-ups. Ann King, Mitgründerin von CVPartners, einem Unternehmen, das Talent mit den passenden Unternehmen zusammenbringt, rät, dass es um die Erfahrung gehen sollte, wenn man sich für ein Start-up entscheidet, aber nicht darum, nach den Sternen zu greifen (also nicht um das große Geld, das verdient werden könnte, wenn das Unternehmen an die Börse geht oder aufgekauft wird). „Ganz wichtig ist es, ein Unternehmen oder eine Position auszuwählen, die mehr als nur die Herausforderung bieten”, erläutert sie uns im Gespräch. „Man muss die Möglichkeit haben, dort von einem Mentor oder Manager zu lernen, der einen dabei unterstützt, dazuzulernen und die Karriereleiter hinaufzuklettern.“

Neben vollmundigen Versprechen, die Welt mit ihren Uber-für-[Service hier einfügen] zu verbessern, bleibt auch Start-ups unter dem Strich nichts anderes übrig, als um Talente zu konkurrieren. Die Gehaltsumfrage von Dice zeigt, dass das Einkommensniveau von ITlern derzeit stagniert, was bedeutet, dass die Lohnnebenleistungen das Zünglein an der Waage sind. Dazu King:

„Soweit ich weiß, sind derzeit Gourmetsnacks und -gerichte, ein Nickerchen, Meditationsräume, regelmäßige Happy Hours und Zuschüsse fürs Parken und die Hin-und Rückfahrt zum Arbeitsplatz gefragt. Größere Start-ups, die schon beinahe zu den etablierten Unternehmen zählen, bieten ihren Mitarbeitern oft praktische Dinge wie einen Wäschedienst, Autowäsche oder den Zugang zu Ärzten und Zahnärzten. Manche Start-ups übernehmen 100 Prozent des Arbeitnehmeranteils an den Sozialleistungen, bieten kostenlose genetische Tests an, unterstützen Gesundheitsprogramme und übernehmen zum Beispiel die monatlichen Gebühren für ein Fitnessstudio.“

Natürlich hat so ein All-Inclusive-Lifestyle seinen Preis. Start-ups sind sehr anspruchsvoll, was die Arbeitszeiten angeht – die Mitarbeiter arbeiten manchmal 70 Stunden pro Woche oder mehr. Und das gilt nicht nur für die Zeit während eines „Agile Sprint”. Start-ups versuchen oft, sich selbst zu übertreffen, um ihre Wagniskapitalgeber zu beeindrucken. Es ist gut möglich, dass selbst nach einer anstrengenden Arbeitswoche niemand das Licht am Ende des Tunnels sieht.

Segen und Fluch zugleich

„[Start-ups] bieten oft großartige Möglichkeiten für Fort- und Weiterbildungen und machen sich gut im Lebenslauf, weil die Arbeit dort an sich schon eine einmalige Gelegenheit ist und man sich sein Leben lang gerne an sie erinnern wird, vor allem, wenn man das Glück hat, mit an ihrer Erfolgsgeschichte zu schreiben“, erläutert King.

Unterm Strich sind Start-ups eine tolle Sache. Vielleicht bekommt man dort ja die Chance, an einer bahnbrechenden technischen Neuerung mitzuwirken. Wer sich einen solchen Arbeitgeber mit Bedacht auswählt, sammelt dadurch bestimmt wertvolle Erfahrungen und knüpft wichtige Kontakte.

Doch Vorsicht: Manchmal trügt der schöne Schein. „In der Bay Area, wo die Arbeitslosenquote für ITler praktisch gen Null tendiert, hat man das Gefühl, die Arbeitgeber streiten sich um entsprechend qualifizierte Kandidaten. Die Zusatzleistungen  werden immer umfangreicher und besser, weil alle auf der Suche nach den klügsten Köpfen sind“, führt King weiter aus. Andererseits ist der Spielraum nicht sehr groß, was dazu führt, dass die Zusatzleistungen des Start-up-Unternehmens, das vernetzte Zahnbürsten auf den Markt bringen will, auch nicht anders sind als die anderer Arbeitgeber in dieser Gegend.

Keine Frage, ITler wollen Honig um den Bart geschmiert bekommen, aber die Aussicht, deshalb 90 Stunden die Woche und mehr zu arbeiten, hat ihren Reiz verloren. Ein überdurchschnittliches Gehalt motiviert da schon ganz anders. Aus der jüngsten von Dice durchgeführten Gehaltsumfrage wissen wir, dass flexible Arbeitsstunden und die Möglichkeit, von einem anderen Ort aus zu arbeiten, die größte Motivation für die Teams sind. Etwa 45 Prozent der Befragten berichteten, dass sie sich nach einem neuen Job mit „besseren Arbeitsbedingungen“ umsehen.

Sollten Sie in einem Start-up arbeiten?

Wenn Sie mit voller Leidenschaft dabei sein wollen, spricht aus unserer Sicht nichts dagegen. Das Gehalt dürfte sich ebenso wie die Zusatzleistungen im normalen Rahmen befinden. Sicherlich gibt es je nach Standort und Arbeitsmarkt Unterschiede, doch es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Sie den Gürtel enger schnallen müssen, wenn Sie Ihrem Chef 2018 dabei helfen, seinen Traum zu verwirklichen.

Die Kehrseite der Medaille ist, dass Sie bei WeWork, dem Anbieter von Büroräumen, landen könnten, und nicht bei Ihrem Arbeitgeber und seinem Team. Das angeblich von einem Catering-Unternehmen gelieferte Mittagessen kommt womöglich von McDonalds oder Subway. Und der versprochene Personal Trainer im Fitnessstudio ist niemand anderer als einer der Mitgründer, der etwas gegen seine untrainierten Beine tun will.

ITler achten immer mehr auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeitszeit, doch die meisten Start-ups können das nicht bieten. Auch wenn es sicherlich eine grandiose Erfahrung ist, bei einem Catering-Unternehmen für Motorradfahrer im Hintergrund die Fäden zu ziehen, können Sie darauf wetten, dass Sie rund um die Uhr zur Verfügung stehen müssen, solange das Mitarbeiterteam überschaubar ist (oder nur aus Ihnen besteht).

Es gibt keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Sie für ein Start-up arbeiten sollten oder nicht. Wägen Sie die Vor- und Nachteile sorgfältig ab – und stellen Sie beim Vorstellungsgespräch die richtigen Fragen. Achten Sie vor der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags darauf, dass alle Ihrer Meinung nach angemessenen Bedingungen und Bestimmungen enthalten sind.

 

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