Informatik-Studium vs. Ausbildung zum Fachinformatiker: Welcher ist der bessere Karriereweg?

Welche Richtung?

Darüber streiten sich die Gelehrten. Und alle, die ihre Karriere in der Informatik gemacht haben bzw. gerade dabei sind, haben eine eigene Meinung dazu. Ob der Weg über ein Informatik-Studium oder eine Ausbildung zum Fachinformatiker der bessere ist, lässt sich objektiv natürlich nicht beantworten. Dennoch lohnt es sich, die Chancen auf dem IT-Arbeitsmarkt sowie die Vor- und Nachteile der beiden Ausbildungswege etwas zu durchleuchten.

Ein Einblick in den Arbeitsmarkt für Informatiker

An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf die Informationen, die vom BITKOM bereitgestellt werden. Hieraus geht ziemlich klar hervor, dass IT-Unternehmen eher dazu tendieren, Informatiker mit einer Hochschulausbildung einzustellen. Verständlich, denn um auch auf internationalem Level wettbewerbsfähig zu sein, ist eine höhere Bildung ein zentrales Thema der deutschen IT-Wirtschaft. Die Chancen für eine erfolgreiche Informatiker-Karriere sind bei derzeit 38.000 offenen Stellen im IT-Sektor (Stand Anfang 2015) hervorragend.

Über 50% der Unternehmen wollen stärker als bisher auf Beschäftigte mit einem abgeschlossenen Informatik-Studium setzten. Ein Doktortitel in Informatik muss es hier aber auch nicht sein. Master-Studiengänge in Informatik sind oft absolut ausreichend.

Circa 45% der befragten Betriebe bevorzugen Angestellte, die auf dualem Weg Informatik studiert haben. Der praxisbezogene Teil dieser Art des IT-Studiums wird als sehr vorteilhaft bewertet. Duale Studiengänge vereinen eine Ausbildung zum Fachinformatiker und den Bachelorstudiengang „Angewandte Informatik“.

Nur jedes dritte befragte Unternehmen (um die 30 %) wird zukünftig vermehrt reine Bachelor-Absolventen einstellen, die ohne Praxisintegration studiert haben.

„Die Chancen der Dualen Studiengänge haben sowohl kleine als auch große Unternehmen erkannt und wollen mehr solche Absolventen einstellen. Eine starke Praxisorientierung passt hervorragend zur IT, bei der man besonders auf die Wünsche der Anwender eingehen muss“, so BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf.

Fachinformatiker-Karriere – Durch Ausbildung zum Erfolg

2014 hat die Zahl der Ausbildungsverhältnisse in den IT-Berufen die 40.000-Marke überschritten. Ein Wert, der belegt, wie wichtig gut ausgebildete (Fach-) Informatiker für den IT-Sektor sind. Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass IT-Experten als Fachinformatiker Karriere machen – meist bei gleicher oder gar besserer Bezahlung als manche Kollegen mit einem abgeschlossenen Informatik-Studium oder gar einem Doktortitel in Informatik. Dennoch muss klar sein, dass dies nicht die Regel ist. Besonders als Berufsneuling liegen die Gehaltsstrukturen deutlich unter denen von diplomierten Berufseinsteigern. Doch ganz klar ist eine Ausbildung zum Fachinformatiker oder eine Umschulung zum Fachinformatiker der Schritt in eine erfolgversprechende Zukunft.

Viele IT-Experten haben nach der Fachinformatiker-Ausbildung und einiger Zeit im Beruf ein IT-Studium begonnen. Um eine eventuell notwendige Fachhochschulreife (für gelernte Fachinformatiker ohne Abitur) nach einer Fachinformatiker-Ausbildung nachzuholen, ist lediglich ein Zeitaufwand von etwa einem Jahr nötig. Mit einem praxisorientieren Abschluss als Fachinformatiker und einer akademischen Ausbildung im Rahmen eines IT-Studiums stehen den Bewerbern alle Türen zu einer sagenhaften Karriere in der Informatik offen.

Prof. Dieter Kempf ist überzeugt, dass die IT eine Wachstumsbranche mit hervorragenden Chancen für gut ausgebildete Fachinformatiker ist (Quelle: BITKOM).

Informatiker-Karriere mit abgeschlossenem IT-Studium

Allein die Tatsache, dass laut BITKOM fast 50% aller fachspezifischen Studienteilnehmer das Informatik-Studium vorzeitig abbrechen, zeigt deutlich, wie umfangreich und herausfordernd dieses Fach sein kann. Dennoch haben alle, die Informatik studieren und das Studium erfolgreich beenden, eine hervorragende Chance, in diesem Berufsfeld Fuß zu fassen. Die Vorteile, die sich Informatikern mit einem Hochschulabschluss bieten, sind nicht nur hohe Einstiegsgehälter. Es versteht sich von selbst, dass beispielsweise ein Absolvent mit einem Doktortitel in Informatik ein viel größeres und interessanteres Aufgabenfeld zu betreuen hat, als ein normaler Fachinformatiker. Laut Angaben des BITKOM haben vier von zehn beschäftigen IT-Spezialisten einen Hochschulabschluss. Tendenz steigend.

Was ebenfalls für die Relevanz eines abgeschlossenen IT-Studiums spricht, ist die Quote von IT-Profis mit Hochschulabschluss in großen Firmen. Ab einer Unternehmensgröße von 500 Beschäftigen liegt der Anteil bei circa 51 %. Circa einen Drittel dieser Unternehmen beschäftigt sogar über 60% Informatiker mit abgeschlossenem IT-Studium.

Quereinsteiger haben es schwerer als Informatiker mit fachlicher oder akademischer Ausbildung

In der heutigen Zeit haben es Quereinsteiger in der IT-Brache zunehmend schwer. Aus einer Umfrage des BITKOM Ende 2013 ging bereits hervor, dass über 65% der Unternehmen den Anteil an Quereinsteigern reduzieren wollten. Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen sich heute. Den Grund hierfür sieht der Präsident des BITKOM, Prof. Dieter Kempf, in der steigenden Komplexität der ITK. Zitat:

Es gibt zwar einen gravierenden Fachkräftemangel in unserer Branche, gesucht werden aber vor allem hochqualifizierte Experten. Der Seiteneinstieg wird als Karriereweg allmählich zum Auslaufmodell.“

Informatik-Karriere als Freelancer

Selbst ist der Informatiker! Immer mehr Informatiker mit abgeschlossenem Informatik-Studium oder abgeschlossener Ausbildung entscheiden sich für die Selbständigkeit. Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmen Edelmann Berland in Zusammenarbeit mit dem Vermittler von Online-Arbeitsplätzen Elance-oDesk, gibt es in Deutschland schätzungsweise 5 Millionen Freelancer. Davon sind circa 100.000 Informatiker. Die am häufigsten angegebenen Gründe sind flexible Arbeitszeiten und das höhere Einkommen (Quelle: BITKOM).

Ausbildung als Fachinformatiker vs. Informatik-Studium – ein Fazit

Es führen bekanntlich viele Wege nach Rom – auch bei einer Karriere in der IT-Branche. Eine fundierte Ausbildung als Fachinformatiker ist ein sicherer und auf Wunsch auch ausbaufähiger Schritt ins Berufsleben. In Verbindung mit einem Dual-Studium im IT-Bereich hält man so in Sachen Einstellungschancen alle Trümpfe in der Hand. Ein abgeschlossenes Informatik-Studium ist bestimmt der längere und anspruchsvollere Weg, wird letztendlich aber mit einem umfangreichen Arbeitsfeld, hohen Einstiegsgehältern und besseren Karrierechancen in großen IT-Konzernen belohnt.

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About Verena Budde

Verena Budde arbeitet seit 2012 für Dice. Als Marketing Executive betreut sie nun seit 2014 den deutschen Markt. Sie arbeitet eng mit dem Account-Management-Team zusammen, um die deutsche Tech-Gemeinschaft optimal mit den Kunden zusammenzubringen. Durch diesen Kontakt zu Unternehmen und IT-Profis hat sie die neuen IT-Entwicklungen und Themen immer im Blick. Mit einem sicheren Gespür für Trends pflegt sie die Social-Media-Programme und die Tech News. Außerdem ist sie für das Planen, Erstellen und Analysieren von E-Mail-Kampagnen zuständig und organisiert das Sponsoring sowie verschiedene Events in ganz Deutschland.

2 Responses to Informatik-Studium vs. Ausbildung zum Fachinformatiker: Welcher ist der bessere Karriereweg?

  1. Thomas 29. September 2016 at 14:49 #

    Und dadurch das sich die Unternehmen von den Quereinsteigern verabschieden schneiden sich sich in das eigene Fleisch da nur diese auch einen blick auf Dinge haben die man nach jahrelangem Studium und Ausbildung nicht hat bzw. verliert.

    Das man durch solche Sichtweisen für den angesprochenen Fachkräftemangel selbst verantwortlich ist, wird entweder übersehen oder schön geredet.

    • blah 18. November 2017 at 5:58 #

      Zumal die Unternehmen ihre Mitarbeiter auch einfach fortbilden und damit die fehlenden theoretischen Kenntnisse nachgeholt werden könnten.

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