Gutes UX-Design macht den Unterschied zwischen Sicherheit und Disaster

Am 13. Januar erhielten tausende Einheimische und Touristen eine SMS-Warnung der Hawaii Emergency Management Agency: „BALLISTISCHE RAKETENBEDROHUNG FÜR HAWAII. SOFORT SCHUTZ SUCHEN. DIES IST KEINE ÜBUNG.“

Viele Menschen gerieten in Panik, suchten nach Deckung und riefen Familienmitglieder an. Rund 30 Minuten nachdem diese furchterregende Warnung ausgerufen wurden, ließ die Agentur folgende Botschaft verlauten: Falscher Alarm.
Der Gouverneur von Hawaii, David Ige, gab später bekannt, dass die Situation aus einem Fehler heraus entstanden sei, „der während einer Standard-Prozedur bei einer Schichtübergabe gemacht wurde, worauf ein Mitarbeiter den falschen Knopf drückte.“

Um eine Warnung herauszugeben, klickt ein Angestellter auf ein Drop-Down-Menu, das mehrere Optionen bietet. Darunter „TEST MESSAGE“ (um Alarmbereitschaft zu testen) und „PACOM (CDW) – STATE ONLY“ (um tatsächlich Alarm zu schlagen). Der für den Zwischenfall verantwortliche Mitarbeiter klickte versehentlich auf die letztere Option anstatt auf die obige. Werfen Sie einen Blick auf die UX, mit freundlicher Genehmigung des Honolulu Civil Beat Twitter-Feeds:

„Basierend auf den Informationen, die wir bisher sammeln konnten, scheint es, dass die Regierung in Hawaii keine angemessenen Sicherheitsvorkehrungen oder Prozess-Steuerungen hatte, um das Senden eines falschen Alarms zu verhindern,“ schreibt der Vorsitzende der Federal Communications Commission – Ajit Pai – in einer Erklärung nach dem Vorfall. „Staatliche und lokale Behörden müssen im ganzen Land zusammenarbeiten, um Schwachstellen bei Fehlwarnungen zu identifizieren und alle nötigen Hebel in Bewegung setzen, um diese zu beheben.“

Einerlei, welche Maßnahmen staatliche und lokale Behörden ergreifen, um in Zukunft solche Fehler zu vermeiden (Spoiler-Warnung: Die Lösung wird aufgrund behördlicher Berichts- und Prozedurauflagen höchstwahrscheinlich viel zu kompliziert ausfallen) – eine bessere UX hätte diese Situation deutlich entschärft.

Den „ÜBUNGSALARM“-Knopf direkt neben den „ALARM“-Knopf zu platzieren, ist vergleichbar damit, den „VERÖFFENTLICHEN“-Knopf nur ein paar Pixel vom „LÖSCHEN“-Knopf entfernt anzubringen: Früher oder später wird jemand unweigerlich einen verheerenden Fehler machen.

UX-Designer, die an Apps oder Websites arbeiten, sollten demnach Folgendes in Betracht ziehen: Alle „missionskritischen“ Funktionen sind zu isolieren und so anzubringen, dass Unfälle reduziert werden. In Hawaii zum Beispiel, hätten die Entwickler den „ALARM“ in ein komplett anderes Menu platzieren können, als den „TEST“. Um für noch mehr Sicherheit zu sorgen, könnte man ein Bestätigungs-Pop-Up einrichten, das die Gefahr eines versehentlichen Knopfdrucks zusätzlich schmälert (z. B.: „Möchten Sie das wirklich kaufen?“ oder „Wollen Sie wirklich das Ende der Welt ankündigen?“).

Die Situation in Hawaii unterstreicht, welch fundamentale Rolle gutes Design spielt, und das obwohl viele Unternehmen dem Design eine eher untergeordnete Rolle zusprechen. Anfang letzten Jahres belegte eine Adobe-Umfrage, dass Designer sehr gefragt sind, und dass Erfahrung und Portfolios die Schlüssel zu einer guten Anstellung sind. Daran hat sich nichts geändert. Manchmal ist ein guter Designer eben die letzte Barriere zwischen normalem Leben und absolutem Chaos.

 

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