Flexible Arbeitszeit statt Achtstundentag – mit diesen Argumenten überzeugen Sie Ihren Chef

Flexible Arbeitszeit statt Achtstundentag

Viele von uns stecken in einem 9-to-5-Job und finden das ganz normal – aber ist er noch zeitgemäß? Der Achtstundentag wie wir ihn kennen, wurde vor ziemlich genau 200 Jahren erfunden. Damals hatte der Reformer Robert Owen die revolutionäre Idee, den Tag in acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit und acht Stunden Ruhezeit zu unterteilen. Das sollte die ausgebeuteten und erschöpften Fabrikarbeiter der industriellen Revolution entlasten. In Zeiten von Internet, Remote-Desktop und Smartphone ist es an der Zeit, das Modell weiterzuentwickeln. Umfragen unter Arbeitnehmern ergeben regelmäßig, dass sich der Großteil der Arbeitnehmer mehr Flexibilität in der Festlegung ihrer Arbeitszeit wünscht. Aber welche Modelle gibt es abseits vom Achtstundentag und wie setzen Sie das im Betrieb durch?

 

Gleitzeit – das Mindestmaß an Flexibilität

„Wenn ich später komme, dann bleibe ich einfach länger“ – nach diesem Motto funktioniert die Gleitzeit. Sie ist quasi das Mindestmaß an Freiheit, das man sich in Puncto Arbeitszeitflexibilität sichern kann. 74,2 % aller flexiblen Arbeitnehmer nutzen dieses Modell bereits, wie eine repräsentative Umfrage von indeed ergab. Man einigt sich dabei auf sogenannte Kernarbeitsstunden, an denen Arbeitsplatz und Telefon auf jeden Fall besetzt sein müssen. Ob man dann aber von 6 bis 15:00 Uhr im Betrieb ist oder es morgens auch mal erst um kurz vor neun ins Büro schafft, ist herzlich egal. Es kann auch gut mit den anderen Regelungen kombiniert werden.

 

Argumente für eine Gleitzeit-Regelung

Warum Ihr Chef das gestatten sollte? Ganz einfach: So arbeiten Sie genau dann, wenn Sie am produktivsten sind, anstatt am Morgen erst mal zwei Kaffee und anderthalb Stunden zum Aufwachen zu brauchen. Sie kommen auch morgens nicht abgehetzt und völlig gestresst im Büro an, weil es einfach egal ist, ob Sie Punkt acht oder um fünf nach eintrudeln. Das sorgt für eine entspannte Büro-Atmosphäre. Die Zeiterfassungs-Software garantiert dem Chef, dass die Arbeitszeit auch abgeleistet wird. Kollegen, die neidisch schauen, wenn man sich am Sommernachmittag ins Freibad verabschiedet kontert man einfach mit: „Steh doch einfach morgen mal früher auf!“

 

Home Office – Freitags ist sie nie da!

Home Office – das bedeutet, regelmäßig, dauerhaft oder auch mal spontan von zu Hause aus zu arbeiten. Ob das ein oder mehrere feste Tage in der Woche sind, man komplett vom heimischen Schreibtisch aus mitarbeitet oder nur bei Bedarf mal zuhause bleibt, kann ganz unterschiedlich sein. 39,5 % aller Arbeitnehmer nutzen dieses Modell bereits. Damit das funktioniert, müssen einige Grundvoraussetzungen gegeben sein. Erstens funktioniert das logischerweise nur bei ganz bestimmten Jobs, von denen in der IT jedoch die meisten geeignet sind. Zweitens muss die nötige Infrastruktur gegeben sein – ein Remote-Desktop beispielsweise, ein Zugang zum Webmailer und ein Server, an dessen Daten man mit dem richtigen Passwort auch von daheim aus rankommt. Dann spart man sich morgens den Stau auf dem Weg zur Arbeit und gewinnt viel wertvolle Lebenszeit zurück. Man kann auch mal daheim die Handwerker in Empfang nehmen und trotzdem alle Aufgaben erledigen, anstatt sich wegen so etwas extra frei nehmen zu müssen.

 

So überzeugen Sie Ihren Chef von einer Home Office Regelung

Erklären Sie Ihrem Chef, wie Sie sich an einem Tag im Home Office endlich mal völlig ungestört an die großen Aufgaben machen können. Dass dort eben nicht ständig das Telefon klingelt, ein Kollege am Tisch steht oder tausend kleine Anfragen den Arbeits-Flow zerhacken. Hier können Sie konzentriert und am Stück arbeiten! Legen Sie dar, wie Sie natürlich trotzdem per Messenger mit dem Team in Kontakt stehen oder per Videocall am täglichen Scrum-Meeting teilnehmen werden. Sollte er sich noch zieren, vereinbaren Sie eine vier- bis sechswöchige Testphase, nach der Sie die neue Regelung evaluieren.

 

Vertrauensarbeitszeit oder -Ort – du machst das schon!

Die Vertrauensarbeitszeit ist quasi die Königsdisziplin des flexiblen Arbeitens. Hier wird überhaupt keine Arbeitszeit mehr erfasst – Ihr Chef vertraut Ihnen einfach, dass Sie die Aufgaben auf Ihrem Tisch schon geregelt bekommen. Sie teilen sich Ihre Arbeit völlig selbstständig ein – und wenn Sie Ihr Tagespensum geschafft haben, machen Sie einfach Feierabend, egal was die Uhr sagt. Ähnlich läuft das mit dem Vertrauensarbeitsort – ob Sie heute reinkommen oder vielleicht lieber vom Freibad aus arbeiten, bleibt ganz Ihnen überlassen. Es muss nur garantiert sein, dass man Sie jederzeit per Telefon, Messenger oder E-Mail erreichen kann. Die großen Tech-Firmen wie Google oder Microsoft arbeiten schon länger so. In der Regel gibt es in ihren Büros nicht einmal feste Arbeitsplätze für alle Mitarbeiter, da sowieso nie alle gleichzeitig da sind.

 

Das nutzt Ihre Vertrauensarbeitszeit dem Betrieb

Die Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit an den tatsächlichen Arbeitsbedarf anpassen und sitzen nach erledigter Arbeit nicht noch eine halbe Stunde herum und starren auf die Uhr. Die Arbeitskontrolle erfolgt nicht nach Anwesenheit, sondern nach erfüllten Aufgaben. Dieser Vertrauensvorschuss und der Zugewinn an Autonomie wirkt enorm motivierend und stärkt die Bindung der Arbeitnehmer an den Betrieb. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels tun Tech-Firmen mittlerweile einiges, um ihre High Potentials nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Sie wissen eben auch, dass Angestellte mit Vertrauensarbeitszeit dazu neigen, nicht so genau auf ihre Arbeitsstunden zu schauen. Und dass das verrückterweise dazu führt, dass sie oft mehr arbeiten statt weniger. Das kann für Arbeitnehmer leicht zur Falle werden, die so ganz unbemerkt unbezahlte Überstunden leisten. Die nicht festgelegten Arbeitszeiten beinhalten nämlich oft auch, dass der Feierabend nicht festgelegt ist – ständige Erreichbarkeit wird vorausgesetzt. Wenn Sie sich dieser Fallstricke jedoch bewusst sind und sie durch klare Vereinbarungen zur Erreichbarkeit einschränken, ist Vertrauensarbeitszeit das Höchstmaß an Selbstbestimmtheit in der Work-Life Balance.

 

Immer mehr Unternehmen bieten flexible Arbeitszeitmodelle von sich aus an

Gerade in der Tech-Branche hat die Einsicht die Chefetagen und HR-Abteilungen erreicht: Die digitale Revolution ermöglicht die Weiterentwicklung von Regelungen aus der industriellen Revolution. Eine flexiblere Arbeitszeit führt zu zufriedeneren Mitarbeitern und diese sind motivierter, arbeiten effizienter und sind loyaler. Win-Win! Das ergab auch der aktuelle Dice Job Market Report – flexible Arbeitszeit ist die Zusatzleistung, die derzeit am häufigsten gewährt wird!

 

 

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Foto: Pexels

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