Bewerbung ohne Berufserfahrung: 5 Tipps für die erste Bewerbung

Ein junger Mann schreibt seine erste Bewerbung

Einmal ist immer das erste Mal: Das gilt auch für die erste schriftliche Bewerbung, das erste Jobinterview, den ersten richtigen Job. Welche Fehler passieren vor allem Berufseinsteigern und was schreibt man in den Lebenslauf, wenn man noch keine Berufserfahrung hat? Fünf Bewerbungstipps für Absolventen und Berufseinsteiger – am Ende des Artikels erwartet Sie eine Checkliste mit den wichtigsten Fakten zu Ihrer ersten Bewerbung.

 

#1: So überzeugt der Lebenslauf eines Berufseinsteigers

Ihr Lebenslauf ist irgendwie nur eine halbe Seite lang und Sie haben das Gefühl, dass Sie Ihrem künftigen Arbeitgeber nichts zu bieten haben? Gehen Sie in sich – welche Zusatzqualifikationen haben Sie, welche Praktika können Sie vorweisen? Haben Sie Hobbies, die gut zu Ihrem angestrebten Job passen oder haben Sie in der Vergangenheit freiwillig in einem Projekt mitgearbeitet, das ähnliche Themenfelder berührt? Wenn ja, scheuen Sie sich nicht, das dazu zu sagen! So lange Sie Ihre Qualifikationen gut begründen können, brauchen Sie keine Angst haben, „angeberisch“ zu wirken. Das bedeutet aber nicht, dass Sie jeden Ferienjob und „August 2015: Zeitungsaustragen“ in den Lebenslauf schreiben sollten, wenn Sie sich auf eine Stelle in einem IT-Unternehmen bewerben. Achten Sie darauf, nur Zusatzqualifikationen zu erwähnen, die Sie im angestrebten Job auch gebrauchen können! Belegen Sie die erwähnten Praktika und Ausbildungen mit Arbeitszeugnissen, die Ihnen auch noch nachträglich ausgestellt werden können.

Falls Sie in Ihrem Lebenslauf nichts Passendes finden – stehen Sie dazu. Sie haben eben die letzten Jahre mit Ihrer Ausbildung verbracht, was kann daran verkehrt sein? Falls die Bewerbung jedoch erfolglos bleibt, sollten Sie sich zielgerichtet eine Praktikumsstelle suchen, die Sie passgenau auf Ihren Traumjob vorbereitet!

 

#2: Wechseln Sie im Anschreiben die Perspektive

Für die erste Bewerbung gilt dasselbe wie für die hundertste: Seien Sie sich im Klaren darüber, was Sie wollen und informieren Sie sich darüber, was Ihr potentieller Arbeitgeber will. „Ich will bei euch arbeiten, egal was!“ transportiert vielleicht Ihren Eifer, Lernwillen und Ihre Begeisterungsfähigkeit – das allein überzeugt aber wahrscheinlich noch niemanden. Überlegen Sie sich also, was Ihren künftigen Arbeitgeber interessieren würde. Kleiner Tipp: Der Leser Ihrer Bewerbung möchte eigentlich nur zwei Sachen wissen:

  1. Was kann der Bewerber für mein Unternehmen leisten?
  2. Passt er oder sie in unser Team?

Lesen Sie dazu die Selbstbeschreibungen auf der Website durch, die Informationen zu Unternehmenswerten und -kultur und – ganz wichtig – das Anforderungsprofil der Stellenanzeige. Versuchen Sie in Ihrem Anschreiben, jeden Punkt des Anforderungsprofils abzuarbeiten. Beschreiben Sie, ob und wenn ja wie Sie diese Anforderungen erfüllen. Dabei ist es natürlich legitim, die ein oder andere treffende Formulierung von anderen Bewerbungen zu recyceln – schließlich werden Sie sich wahrscheinlich auf fünf ähnliche Stellen bei jeweils unterschiedlichen Unternehmen bewerben. Dennoch sollten Sie große Sorgfalt darauf legen, die konkreten Fragen des Personalers gut verständlich und individuell zu beantworten.

 

#3: Setzen Sie nicht alles auf eine Karte – aber übertreiben Sie es auch nicht

„Ich habe schon hundert Bewerbungen rausgeschickt, aber niemand will mich einstellen!“ Diesen Satz hört man erschreckend oft von Berufseinsteigern. Die Vermutung liegt nahe, dass der Misserfolg daran liegt, dass die Bewerbungen zum Großteil aus copy/paste bestehen. Verschicken Sie also lieber nur fünf Bewerbungen, die dafür aber ganz genau auf Ihren Wunsch-Arbeitgeber zugeschnitten sind. Genauso verkehrt ist es andersherum, stundenlang an einer einzigen Bewerbung zu feilen, diese im goldgerahmten Umschlag abzuschicken – und dann hinterher am Boden zerstört zu sein, wenn eine Absage kommt. Das Bewusstsein, mehrere Eisen im Feuer zu haben, wirkt sehr beruhigend und gibt Ihnen die nötige Selbstsicherheit, wenn es in die nächsten Runden geht. Wenn man noch eine Möglichkeit im Ärmel hat, verhandelt es sich auch im Vorstellungsgespräch viel entspannter und souveräner. Denn eines ist klar: Aus Mitleid, weil Sie so verzweifelt einen Job brauchen, stellen Sie nur die wenigsten ein.

 

#4: Vor der ersten Bewerbung: Anrufen oder nicht?

Viele halten es für einen Mythos, dass man unbedingt zuerst telefonisch Kontakt aufnehmen soll, bevor man seine Bewerbung verschickt. Stimmt das? Die Antwort lautet: Jein! Völlig klar ist: Anrufe, um einfach mal „hallo!“ zu sagen, oder den Namen des Ansprechpartners herauszufinden, sollten Sie sich sparen. Rufen Sie nur an, wenn Sie wirklich eine Frage haben – und wenn Sie sich erst zehn Minuten hinsetzen müssen, um sich eine einfallen zu lassen, dann tun Sie das! Auf jeden Fall sinnvoll ist die Frage, ob die Stelle, auf die Sie sich bewerben wollen, gerade überhaupt vakant ist. Viele Trainee-Stellen werden beispielsweise regelmäßig ausgeschrieben und die Anzeigen verschwinden häufig zwischendurch gar nicht von der Website. Im schlimmsten Fall ersparen Sie sich durch einen kurzen Anruf viel Arbeit. Notieren Sie sich vor dem Anruf alle Fragen, die Sie zu der Stelle haben und die Sie für das Verfassen Ihrer Bewerbung brauchen – nichts ist blöder als das Gefühl, nach dem Auflegen noch etwas vergessen zu haben.

 

#5: Vermeiden Sie standardisierte Floskeln und bleiben Sie konkret!

Tja, leichter gesagt als getan! Wie die meisten Dinge ist auch das Schreiben von Bewerbungen Übungssache. Am Anfang wird sich wohl jeder mal eine Vorlage aus dem Internet herunterladen und Punkt für Punkt abarbeiten. Dann lesen Personaler Sätze wie „Sehr gerne bewerbe ich mich auf die ausgeschriebene Stelle als XY“ oder „Ich bin kreativ, teamfähig, belastbar und äh… kreativ?“. Ja, naja. Verzichten Sie lieber auf Geschnörkel und beschreiben Sie stattdessen konkret, was Sie bereits gemacht haben und vor allem wie Sie es gemacht haben. Denken Sie dabei immer an Tipp #2! Beziehen Sie sich im Anschreiben auf den beigefügten Lebenslauf und heben Sie besonders erwähnenswerte Stationen und Leistungen hervor. Diese sollten Sie im Anschreiben mit weiteren Informationen, Zahlen, Daten und Fakten versehen. Falls Sie durch eine dieser Stationen bestimmte Soft Skills boosten konnten, die für Ihren neuen Job wichtig sind, sagen Sie das dazu! Sie haben 4 Monate Praktikum bei der XY GmbH gemacht – toll! Aber was konnten Sie dort einbringen und wie hat das Unternehmen von Ihnen profitiert? Dennoch: Übertreiben Sie es nicht und bleiben Sie Sie selbst. Wenn Sie etwas (noch) nicht können, dann geben Sie das ruhig zu.

 

Extra: Checkliste für die erste Bewerbung

  • Viele große Unternehmen haben klare Vorstellungen davon, wie eine Bewerbung bei ihnen auszusehen hat und geben das genau an. Halten Sie sich daran.
  • Prüfen Sie, ob die Bewerbung per Post oder per E-Mail zu versenden ist. Falls es eine spezielle E-Mail-Adresse für Bewerbungen gibt, verwenden Sie diese unbedingt!
  • „Vollständige Bewerbungsunterlagen“ bedeutet: Anschreiben, Lebenslauf (evtl. mit Passfoto), letztes Ausbildungszeugnis, relevante Zeugnisse von Praktika und Weiterbildungen. Legen Sie die Dokumente in dieser Reihenfolge ab – das gilt auch für die elektronische Version.
  • Wenn Sie die Bewerbung per E-Mail schicken: Hängen Sie alle Dokumente als PDF-Dateien an, auch das Anschreiben. Gestalten Sie das E-Mail Anschreiben kurz und freundlich, verweisen Sie eventuell auf bereits geführte Telefongespräche. Nennen Sie im Dateinamen der Anhänge Ihren Nachnamen und den Namen des Dokuments. Wenn Sie sehr ordentlich sind, nummerieren Sie diese durch, z. B. „01-Anschreiben-Mayer“.
  • Das Anschreiben ist genau eine Seite lang und endet mit Angaben zu Ihrem frühestmöglichen Einstiegsdatum.
  • Falls Sie sich bei einem konservativen Unternehmen bewerben: Legen Sie sich eine seriöse E-Mail-Adresse zu!
  • Vor dem Abschicken: Lassen Sie die Bewerbung auf Rechtschreibfehler und Stil gegenlesen.

 

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Foto: Pexels

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