3 Kunden, die jeder Freelance-Entwickler meiden sollte

Freelance Kunden Frustration

Die Arbeit als Freelance-Entwickler ist manchmal eine wahre Gratwanderung: Ist es besser, viel Geld zu verdienen, oder nur für die besten Kunden zu arbeiten? Natürlich können sich die beiden Faktoren auch überschneiden, aber im Venn-Diagramm der freiberuflichen Tätigkeit ist das oft nur eine ganz kleine Schnittmenge. Um Ihnen das Leben etwas leichter zu machen, beschreibe ich hier drei Kundentypen, die Sie besser meiden sollten.

Ich muss natürlich schon gleich im Vornherein sagen, dass es nicht immer einfach ist, diese Kundentypen sofort zu identifizieren. Nach den ersten paar Meetings könnten Sie noch ein gutes Gefühl haben – und dann kurz darauf wie aus heiterem Himmel überrumpelt werden. Ebenso könnten schwierige Fragen von einem potenziellen Kunden nur ehrlich gemeinte Erkundigungen nach Tatsachen sein. Es gibt jedoch einen einfachen Weg, damit jeder das bekommt, was er möchte.

In erster Linie ist ein hieb- und stichfester Vertrag immer eine gute Idee. Die besten Kunden bevorzugen es in der Regel, bereits im Voraus zu wissen, was sie für ihr Geld bekommen und ein sorgfältig formulierter Vertrag macht es leicht, sich in schwierigen Zeiten auch den schlimmsten Kunden entgegenzusetzen. Die Juristensprache mag langweilig und schwierig sein – dennoch ist es sehr wichtig, mit Aufzählungen und Kleingedrucktem detailliert zu beschreiben, was genau angeboten wird.

Dennoch werden Ihnen bestimmte Kunden das ein oder andere Mal Probleme bereiten. Auch wenn Sie wirklich alles richtig machen, gibt es immer wieder Kunden, mit denen eine Zusammenarbeit sehr schwierig ist.

“Wir sind nicht bankrott, wir haben einfach nur kein Geld.”

1. Der Nicht-Zahler

Jeder fürchtet sich vor diesem Kunden. Es handelt sich hier um einen Typen, der anfänglich ganz easy rüberkommt und den Vertrag ohne zu zögern unterschreibt – nur um dann nicht zu bezahlen, sobald Sie das Produkt wie versprochen abgeliefert haben. Und er hat immer eine gute Ausrede!

Dieser Kunde ist die beste Erklärung, warum Sie immer einen wasserdichten Vertrag aufsetzen sollten. Im Vertrag sollten Sie genau festlegen, wann Sie Produkte oder einzelne Elemente liefern, und wann die Zahlungen für diese Ergebnisse fällig werden. Räumen Sie sich selbst (und dem Kunden) hier genügend Zeit ein. Es könnte sein, dass ein paar Sachen nach der Abgabe noch einmal überarbeitet werden müssen – und wenn Sie einen Tag später abliefern, möchten Sie nicht gleich dafür Geld vom Kunden abgezogen bekommen.

Leider ist dieser Kunde auch der, den man anfangs nicht sofort als Problemfall erkennt. Die Kehrseite: Sie können nicht viel gegen diesen Kunden unternehmen, außer ihn anzuzeigen. (Pro-Tipp: Fügen Sie Mahngebühren im Falle von ausbleibenden Zahlungen in den Vertrag ein. Wenn der Kunde Mahngebühren im Vertrag sieht, dann wird ihn das eher dazu bringen, pünktlich zu bezahlen, wenn auch nur ungern.)

 

2. Der “Nur noch eine Kleinigkeit”-Kunde

Sie setzen sich zusammen, besprechen gemeinsam, was benötigt wird und alles sieht gut aus. Sie halten einen unterzeichneten Vertrag in der Hand, Sie haben ein gutes Gefühl für die Zusammenarbeit mit diesem Kunden und Sie wissen ganz genau was er möchte und wie Sie dies liefern können. Friede, Freude, Eierkuchen!

Das war am Freitag. Aber schon am Montag sendet der Kunde fünf verschiedene E-Mails, in denen er um zusätzliche Dienste bittet oder sich nicht mehr sicher ist, welche Farbe er für einen bestimmten Button auswählen soll … und Sie haben noch nicht mal mit der Arbeit begonnen.

Und auch wenn Sie den Änderungen in gutem Glauben zustimmen und die neue Wunschliste bearbeiten, will dieser Kunde immer mehr. Eine In-App-Zahlmethode ist doch ganz einfach umzusetzen, nicht wahr? Sie können doch sicher noch kurz den persönlichen Blog des Kunden verlinken und Google AMP-Seiten unterstützen, nicht wahr?

Und all das kostet nichts extra und kann pünktlich geliefert werden, nicht wahr? Nicht wahr?

Ein Kunde, den wirklich keiner braucht. Erinnern Sie den Kunden an ihren Vertrag und lassen Sie ihn wissen, dass Sie das liefern, was besprochen wurde – und zwar pünktlich. Alle zusätzlichen Arbeiten können dann besprochen werden, sobald Sie mit den im Vertrag vereinbarten Punkten fertig sind … gemeinsam mit einer neuen Bezahlungsstruktur für die zusätzliche Arbeit. Sobald der Kunde versteht, dass mehr Arbeit mehr Geld bedeutet, könnte das Problem bereits gelöst sein.

 

3. Der Streber

Er ist genauso nervig wie die beiden anderen, dennoch ist es wirklich schwierig, auf diesen Kunden wütend zu sein. Er kann es gar nicht abwarten, Ihre Arbeit zu sehen und er hat eine Menge eigener Kunden, die auch bereits auf die Ergebnisse warten.

Und er kann einfach nicht damit aufhören, Sie daran zu erinnern.

Dieser Kunde meint, dass zwei Wochen drei Tage bedeutet, und dass der Austausch von UI-Elementen so einfach ist, wie ein Malbuch auszufüllen. Es ist ihm egal, was im Vertrag steht – er will alles am besten gestern haben.

Dieser Kunde ist überglücklich, wenn Sie Ihre Arbeit vorzeitig abliefern, und er ist wahrscheinlich sogar bereit, dafür zu bezahlen. Abhängig von den langfristigen Bedürfnissen des Kunden, könnte dies bedeuten, dass Sie später weitere Aufträge erhalten und vielleicht sogar weiterempfohlen werden. Das sind gute Aussichten für einen Freelance-Entwickler.

Leider wecken Sie aber mit hervorragenden Leistungen auch ganz andere Erwartungen beim Kunden und wenn Sie nicht vorsichtig sind, können Ihre Prioritäten darunter leiden. Jeder gute Entwickler will tolle Produkte liefern, also ist es nur natürlich, die Bedürfnisse des Kunden erfüllen zu wollen. Aber dies zu tun, ohne dabei andere Arbeiten zu vernachlässigen, ist gar nicht so einfach.

Dieser Kunde ist im Grunde nicht schlecht, hat jedoch kein Verständnis dafür, wie aufwendig es ist, eine App, Website oder Serviceleistung zu erstellen. Sie benötigen bei diesem Kunden etwas Geduld, denn Sie wissen, dass er keine hat. Einige Entwickler können mit den ständigen Nörgeleien nicht umgehen und das ist vollkommen verständlich. Außerdem: Wenn der Kunde weitere Aufträge verspricht, bedeutet das auch, dass Sie sich weiterhin mit seiner Arbeitsweise auseinandersetzen müssen.

Aber es gibt Hoffnung

Natürlich sind einige Kunden absolut unausstehlich. Wenn Sie anfangen, unter verschiedenen Kundentypen zu unterscheiden und zu verstehen, welcher Kunde die Mühe nicht wert ist, dann wird Ihr allgemeiner Workflow immer besser werden.

Jede Minute, die Sie damit verbringen, E-Mails zu schreiben, um Zahlungen einzufordern oder einen Kunden zu beruhigen, der seine App sofort  haben will, ist Zeit, die Sie dafür verwenden könnten, für Ihre bestehenden Kunden zu arbeiten oder neue Kunden zu finden. Man kann Problemen nicht immer aus dem Weg gehen – auch nicht mit den besten Kunden. Aber die drei genannten Typen sind wirklich die schlimmsten.

Wichtig ist, dass Sie immer einen detaillierten Vertrag haben … und dass Sie nicht mit Kunden kommunizieren, wenn Sie gerade sehr wütend sind. Für alle drei Kunden gilt: Es ist ihre Art, Geschäfte zu machen. Es funktioniert – für sie. Wenn Ihnen ihr Stil nicht zusagt, dann ist das vollkommen OK. Aber bitte schicken Sie keine bösen E-Mails. Auch wenn der Umgang mit diesen Kunden etwas schwierig ist – sie denken vielleicht, dass Sie hervorragende Arbeit geleistet haben. Und wenn sich der Staub mal gelegt hat, könnte eine gute Weiterempfehlung schon die ganze Mühe wert gewesen sein.

 

Weitere Artikel

Nichts ist bei der Jobsuche wichtiger als Vitamin B – so nutzen Sie Ihr Business Netzwerk optimal

So verwandeln Sie einen Consulting-Auftrag in einen Vollzeit-Job

Freelancing in der IT – 5 Pros & 5 Kontras

No comments yet.

Leave a Reply